Eigene Produkte verkaufen: 8 Learnings von den mymuesli-Gründern.

Eigene Produkte verkaufen: 8 Learnings von den mymuesli-Gründern.


"Magst du Rosinen im Müsli?"

Sie sind der Wolf im Schafspelz und eignen sich hervorragend, um die Geschmäcker zu polarisieren.

Denn Rosinen sind für rund zwei Drittel der Deutschen ein gefürchteter Spielverderber in Fertigmüslis.

Eigene Produkte verkaufen, das war auch das Ziel der drei Gründer Hubertus, Philipp und Max aus Passau, als sie 2007 mit ihrem Startup mymuesli an den Start gingen.

Mit ihrem Kerngeschäft, custom-mixed-muesli, sind die drei in den vergangenen 10 Jahren zu einem mittelständischen Unternehmen mit mehr als 800 Mitarbeitern und über 50 eigenen Müsli-Läden in sechs verschiedenen Ländern herangewachsen.

Die kürzeste Erfolgsformel

Das zehnjährige bestehen der bayrischen Müsli-Marke nahmen die drei ehemaligen Studenten zum Anlass, um sich zu fragen, was sie eigentlich richtig gemacht haben?

Die Antwort ist enttäuschend kurz und dennoch hochgradig wertvoll: Machen!

Diesen Titel trägt auch das 2017 erschiene Buch, in welchem die bisherige Unternehmensgeschichte auf viele Learnings, Fuckups und eine unterhaltsame Sprache heruntergebrochen wurde.

Eigene Produkte verkaufen - 8 Learnings von den mymuesli Gründern

Die folgenden 8 Punkte geben dir einen Einblick in meine Learnings aus dem Buch "Machen":

1. Müsli?! So einfach?

Die ursprüngliche Idee zu mymuesli kam den drei Jungs auf dem Weg zum Badesee, als sie den Werbespot einer bekannten Müsli Marke im Radio hörten.

Das war im Sommer 2005 und an dieser Stelle läuft man Gefahr, das heutige Ergebnis als logische Konsequenz eines genialen Gedankenblitzes zu sehen. 

Mit der bloßen Idee war es nicht getan!

Neben ihrem Studium und den Klausuren sollte es noch bis April 2007 dauern, ehe das Startup mit seinem eigenen Produkt online gehen würde.

"Es gibt tausende richtig gute Geschäftsideen." so die Gründer in ihrem Buch.

Der Großteil davon schafft es jedoch nie in die Umsetzung und ein weiterer Teil verläuft bei den ersten Anzeichen von "Struggle" (= Anstrengung) im Sand.

Und genau diese Stolpersteine gilt es als die eigentlich wertvolle Erfahrung zu erkennen und nicht allein den "fame" der dem erfolgreichen Gründer winkt.

Müsli klingt simpel, aber genau dass macht sehr häufig eine starke Idee aus: Der Mehrwert leuchtet sofort ein. Auch wenn das 2005 in einer weniger internetaffinen Zeit noch nicht bei jedem der Fall war.

2. Der Analyse-Paralyse-Effekt

Löse die Probleme deiner Kunden, heißt es immer.

Aber was tun, wenn diese noch gar nicht das Bedürfnis nach deinem Produkt haben?

Eine Umfrage in den Anfängen von mymuesli umfasste hunderte von Antworten und kam zu dem Ergebnis, dass niemand online Müsli kaufen möchte.

"Ein paar würden es sich überlegen, wenn es wesentlich günstiger wäre als das Müsli aus dem Supermarkt."

Hinter dem Analyse-Paralyse-Effekt verbirgt sich die Phase des Zweifelns und Abwägens, ob man es nun versuchen soll oder nicht.

Resultat: Ein valider Test kann nur ein wirklicher Markttest sein und deshalb wanderten die Befragungsergebnisse in den Papierkorb.

Dabei gibt es unkompliziertere Märkte für Gründer als die Food-Branche in Deutschland. Und so galt es auch für mymuesli sich zunächst mit den Lebensmittelgesetzen in Deutschland vertraut zu machen.

Um die richtigen Zutaten auszuwählen wurden also zunächst Unsummen für Probierpäcken im Bio-Laden ausgegeben und in der WG eine improvisierte Versuchsküche eingerichtet.

Bis zu diesem Zeitpunkt klingt alles noch recht unverbindlich und nach Jugend forscht, aber für eine Zulassung zur Herstellung wurde eigens ein kleiner Raum gemietet und mit einem abgegrenzten Hygienebereich ausgestattet.

Dieser wurde dann auch regelmäßig von der Lebensmittelaufsicht besucht, um sicherzugehen, dass Overall, Handschuhe und Haube beim Müsli-Mixen getragen wurden.

Jeder Markt hat seine Einstiegsbarrieren, aber noch heute testet mymuesli neue Ideen zunächst in einer kleinen, meist virtuellen Ecke im realen Markt.

Bei positivem Feedback wird die Idee weiter produziert. Machen heißt aber auch, dass dein Weg nicht zum gewünschte Resultat führt.

3. Das Alleinstellungsmerkmal

Die erste Konkurrenzanalyse im Supermarkt verlief zunächst ernüchternd.

Es gab bereits viel zu viel Angebot.

Doch trotz der vielen Produkte wirkte die Auswahl sehr angestaubt und darunter befand sich keine richtige Premiummarke.

Mymuesli wollte die Nadel und nicht der Heuhaufen sein.

Ein Premium Müsli mit Bio Zutaten. Gut, jedoch noch nicht genug Alleinstellung.

Alle drei mochten Müsli, aber jeder hatte seine eigenen Vorlieben.

"Das beste Müsli der Welt ist für jeden ein anderes!"

Das perfekte Alleinstellungsmerkmal zu finden ist schwierig, aber diese Investition zahlt sich aus. Und so begründeten sie eine neue Kategorie, statt die vorhandene schrittweise zu verbessern.

In dieser gab es keinen Wettbewerb und damit erreichten sie mit dem ersten verkauften Müsli 100% Marktanteil und waren "Weltmarktführer für kundenindividuelles-online-Bio-Müsli".

Hätte sich mymuesli dem konventionellen Weg angeschlossen, so hätte das Startup nur einen Bruchteil der Aufmerksamkeit erhalten.

Heute liefert auch mymuesli Fertigmüslis in die Supermärkte. Doch die sind das Ergebnis von den beliebtesten Zutaten aus Kundenmischungen und nicht der Ausgangspunkt für die Gründung gewesen.

4. Nicht alles Zu-Ende-Denken-Wollen

Da den Gründern am bisherigen Angebot aus dem Supermarkt nichts gefiel, war das Abgrenzen von der Konkurrenz relativ leicht. 

"Wir mussten nur alles anders machen als alle anderen."

Querdenken war auch bei der passenden Verpackung gefragt, denn als zwei der drei Gründer auf einer Verpackungsmesse aufschlugen nahm sie niemand ernst.

Die viel zu geringen Stückzahlen für einen ersten Markttest waren für die Hersteller genauso uninteressant wie ihre Visitenkarten aus dem Tintenstrahldrucker.

Erst in der letzten Halle stieß man auf Tierfutter und Salz in Dosen. 

Damit unterschied sich schon die Verpackung von den Pappschachteln der Mitbewerber und ließ sich außerdem gut mit der Hand befüllen.

27 cm hoch und 9 cm breit war das beste Ergebnis für Versandporto, welches mit 3,90€ schon dem Preis eines Fertigmüslis glich und dem Füllvolumen.

Woran jedoch niemand dachte: mit dieser Höhe passt die Dose nicht in üblichen Küchenschränke.

Dieses "Fehldesign" erwies sich jedoch als perfekte Werbung für jeden Küchengast, da das Müsli statt dem dunklen Schrank die Pole-Position auf der Arbeitsplatte erhalten hat.

Diese geschickt platzierte Werbung, welche neugierige Blicke auf sich zieht ist nicht das Ergebnis einer strategischen Analyse, sondern einer Portion Zufall die nur dann entstehen kann, wenn man in die Umsetzung kommt.

5. Das Minimum-Viable-Product (MVP)

MVP steht für ein Produkt, welches den minimalen Anforderungen entspricht. Es ist sozusagen ein Prototyp.

Prototyp und Premium klingt jedoch eher nach einem Rückschritt und so erhielt jede Dose einen großen Beta-Stempel.

Damit sollte gezeigt werden, dass das Produkt noch lange nicht perfekt war, aber man konnte so trotzdem den lautstark angekündigten Launch-Termin halten und erste eigene Produkte verkaufen.

6. Sex sells? Vertrauen und Emotionen auch.

Drei Studenten die Müsli mixen? Natürlich!

Wie bedeutend Vertrauen für den Markenaufbau ist, wurde bereits in diesem Artikel beschrieben.

Auch mymuesli musste gegen die anfänglichen Bedenken beim Kauf ankämpfen. Ein hoher Preis birgt auch hohe Erwartungen.

Eine gute Methode um Zweifel zu reduzieren besteht darin, den Kunden einen direkten Kontakt zum eigenen Produkt zu ermöglichen.

"Testen reduziert Unsicherheit."

Premiummarken wie Porsche werben nicht mit großen Prozentzeichen im Schaufenster, um Unsicherheiten bei der Kaufentscheidung zu nehmen. Sie spendieren eine Probefahrt und mymuesli arbeitet mit Gutscheinen und kostenlosen Proben in den eigenen Läden.

Weil es dem Internet an Menschlichkeit und Emotionen fehlte, erhielten die Versandkartons handschriftliche Grußbotschaften und die Müslidosen wurden persönlich unterschrieben. 

Es ist eine Kleinigkeit, aber ein Service mit persönlicher Note.

7. Bezahlte Werbung in Suchmaschinen

Werbung in Suchmaschinen bringt schnelle Klicks auf die Website, wobei die Kosten pro Klick (CPC) je nach Suchbegriff schwanken.

Mit ihrer neuen Produktkategorie haben die Gründer zunächst keinen verfügbaren Bedarf gedeckt, sondern mussten diesen erst wecken.

Bezahlte Suchmaschinenwerbung wäre zu dieser Zeit, in der niemand online nach Müsli sucht, herausgeschmissenes Geld gewesen. 

Und es zeigt nochmal, dass sich die Erfolgsaussichten für dein Produkt nicht nach dem Suchpotential auf Google richten.

8. Der Immer-wieder-Müsli-Besteller

Mymuesli fokussiert sich beim Marketing stark auf den Customer-Lifetime-Value (CLV).

Dieser Wert entspricht dem Geld, welches du über die gesamte Dauer seiner Kundschaft an ihm verdienst.

Mymuesli möchte möglichst wenig in einmalige Spontan Käufer investieren und kalkuliert die Werbekosten deswegen so, dass sie beim Erstkauf noch nicht zwingend Gewinn erwirtschaften, z.B. bei Gutscheinen.

Erst ab dem 2., 3. und 4. Kauf soll der Kunde profitabel werden und von da an wird der Kontakt mit Aktionen gepflegt.

Damit verdient mymuesli langfristig mit jedem Kunden mehr Geld als es für Werbung ausgibt.

FAZIT

Die unterhaltsame und offene Art, mit der man einen Einblick in die Gedanken der drei mymuesli Gründer erhält, macht das Buch zu einem sehr kurzweiligen Erlebnis. 

Es macht Spaß die unkonventionelle Herangehensweise zu verfolgen und man versteht wie viel im verborgenen Geschehen ist. Es ist wirklich erstaunlich, wenn man bedenkt wie aus einer Idee ein so großes Unternehmen heranwächst.

Wem diese Learnings gefallen haben, der wird ohne Zweifel noch viele wertvolle Informationen aus dem Buch gewinnen können.

Hat dir einer dieser Learnings besonders gut gefallen?

Schreib es in die Kommentare!

Stay tuned and grow.

6 Kommentare

  • Ein toller Artikel über die Gründer von myMüsli. Ich habe zwar noch nie was bestellt bei denen. Aber es ist immer interessant, wie jemand angefangen hat, um dann zu sehen, wo man selber steht. Das beste fand ich, das es perfekt war zum verschicken, aber nicht in den Schrank gepasst hat. Dadurch hat man gleich Werbung auf der Küchenplatte, die jeder sieht ;)
  • Hey Stephan,

    ich danke dir für's Lesen und Kommentieren :)
    Die Sache mit der Verpackung ist wirklich klasse. So ein riesiges Zufallsprodukt, weil auch kein anderer Verpackungshersteller Interesse an den geringen Mengen zu Beginn hatte. Never give up :)
  • Das mit der Verpacking regt zum Denken an 😊 Schön auf den Punkt gebracht- danke Daniel👌🏻
  • Hey Alex,

    ja, die Verpackung war wirklich ein Resultat vieler Zufälle. Einfach mal "machen" 👍🏻
    Danke für's Lesen und Kommentieren 😍
  • Gefällt mir sehr gut dieser Beitrag. Kann ich viel von mitnehmen. Danke
  • Hey Pascal,

    das freut mich mega! Danke für deinen Kommentar. :)
    Beste Grüße, Daniel

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